Karl Lanzmaier und die Kern Buam
Wer waren die Kern Buam?
Die Kern Buam zählen zu den legendärsten Formationen der österreichischen Volksmusik. Gegründet von den Brüdern Kern in der Steiermark, prägten sie über Jahrzehnte hinweg den typischen steirischen Sound mit Akkordeon, Blasinstrumenten und mehrstimmigem Gesang.
Herkunft: Voitsberg / Gradenberg (Steiermark, Österreich)
Bekannte Hits:Der Steirerland-Ländler, Posaunen-Polka, Ein Steirer Bua
Bedeutung: Pionierarbeit für die traditionsreiche und schwungvolle steirische Volksmusik im gesamten deutschsprachigen Raum.
Karl Lanzmaier organisierte und betreute im Laufe seiner Karriere zahlreiche Tourneen, Auftritte und Medienkooperationen für namhafte Ensembles dieses Genres.
In der Blütezeit der volkstümlichen Musik in den 1960er- bis 1980er-Jahren waren Tourneen im deutschsprachigen Raum echte Mammutprojekte. Veranstalter wie Karl Lanzmaier und Ensembles wie die Kern Buam oder die Original Oberkrainer erlebten unterwegs Anekdoten, die die damalige Ära perfekt widerspiegeln:
Textquelle : Google Gemini
Die Original Kern Buam wurden 1948 in der Steiermark gegründet. Das Ensemble bestand in seiner Ursprungsbesetzung aus Kapellmeister Adolf Kern, seinen drei Söhnen und seinem Neffen.
Die Gründungsmitglieder & ihre Instrumente
Adolf Kern (Vater & Kapellmeister) – Posaune
Gründete die Formation und leitete die Gruppe in den Anfangsjahren bis zu seinem Tod.
Josef „Sepp“ Kern (Sohn) – Klarinette & Gesang
Übernahm nach dem Vater die musikalische Leitung der Band und prägte sie über 60 Jahre als Kopf der Kern Buam.
Erich Kern (Sohn) – Trompete & Gesang
Brachte nach der Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft den charakteristischen Trompetensound ein.
Hubert Kern (Sohn) – Bass (Kontrabass / Bariton)
Sorgte für das rhythmische und harmonische Fundament der Gruppe.
Johann „Hans“ Mitterhumer (Neffe) – Akkordeon & Gesang
Verantwortlich für die Ziehharmonika-Melodieführung in den Anfangsjahren.
Der typische „Kern-Buam-Sound“
Das Zusammenspiel dieser Instrumente schuf eine unverwechselbare Klangfarbe der steirischen Volksmusik:
Bläsersatz: Das Zusammenspiel aus Klarinette, Trompete und Posaune verlieh den Polkas und Ländlern einen schwungvollen, fast tanzmusikalischen Charakter.
Oesterreichisches Musiklexikon
Harmonie & Rhythmus: Das Akkordeon und der Kontrabass sicherten den treibenden Marsch- und Walzertakt.
Mehrstimmiger Gesang: Neben dem Instrumentalspiel sangen die Mitglieder häufig mehrstimmige steirische Lieder und G'schnas-Nummern.
Spätere prägende Besetzungswechsel
Im Laufe der Jahrzehnte stießen weitere prägende Musiker zur Formation:
Fritz Pignitter kam 1961 dazu und erlangte als „Posaunenkönig“ sowie Gitarrist Bekanntheit.
Hermann Rumpf übernahm ab 1963 das Akkordeon von Hans Mitterhumer.
Willi Fabian ergänzte die Gruppe zeitweise als zweiter Posaunist.
1. Das Nebel-Chaos auf den Alpenpässen
In den 1970er-Jahren reisten die Musikanten nicht mit luxuriösen Tourbussen, sondern oft in vollgepackten VW-Bussen oder privaten PKWs – samt schwerem Instrumentarium, Lautsprechern und der Trachtenkleidung.
Bei einer gemeinsamen Tournee durch Österreich und Süddeutschland überraschte ein plötzlicher Wintereinbruch auf einem Alpenpass die Kolonne. Der Pass war dicht, die Sicht lag bei unter fünf Metern. Um den Konzertbeginn in der ausverkauften Halle nicht zu verpassen, stiegen zwei Musiker aus, liefen mit Taschenlampen vor den Fahrzeugen her und lotsten den Tross Schritt für Schritt durch den Schneesturm. Die Band traf mit nur zehn Minuten Verspätung ein – und spielte das Konzert direkt in Wintermänteln an, bis die Halle aufgeheizt war.
2. Der verlorene Kontrabass
Auf dem Weg zu einem Auftritt in einer großen Stadthalle im Ruhrgebiet wurde nach der Ankunft am Hintereingang festgestellt: Der Anhänger mit den Instrumenten war nicht richtig verriegelt gewesen – die Tür stand offen, und der wuchtige Kontrabass fehlte.
Eile war geboten: Während die Tontechniker die Bühne aufbauten, fuhr das Management die Autobahnstrecke im Schneckentempo zurück. Nach einigen Kilometern fanden sie das Instrumentungetüm tatsächlich am Straßenrand auf dem Grünstreifen liegen. Dank des stabilen Holz-Flightcases hatte der Bass den Sturz fast unbeschadet überstanden – er musste nur nachgestimmt werden und stand pünktlich zum Eröffnungsmarsch auf der Bühne.
3. Auftritte im Minutentakt
Zu den Glanzzeiten der Kern Buam standen nicht selten drei bis vier Auftritte an einem einzigen Tag auf dem Programm: nachmittags Frühschoppen im Bierzelt, am späten Nachmittag eine Rundfunkaufnahme und abends ein großes Hallenkonzert. Karl Lanzmaier zeichnete sich dabei oft dadurch aus, die straffen Zeitpläne trotz unvorhergesehener Staus und Autopannen einzuhalten – nicht selten durch spontane Improvisation vor Ort.
4. Das "Verwechselte Trachten"-Debakel
Bei Doppelkonzerten, bei denen mehrere bekannte Gruppen nacheinander auftraten, wurden die Garderoben oft gemeinsam genutzt. In der Hektik zwischen zwei Sets passierte es einmal, dass ein Musiker in der Eile nach den falschen Lederhosen griff. Erst mitten im ersten Stück auf der Bühne bemerkte er, dass die Hose viel zu eng war und die Stickereien gar nicht zur eigenen Formation gehörten – was für großes Gelächter im Publikum und auf der Bühne sorgte.
Das Schneiderwirt Trio pflegt das Erbe der Kern Buam so authentisch wie kaum eine andere Formation. Das hat sowohl familiäre als auch musikalische Gründe:
Familiäre Wurzeln
Gottfried Würcher (nicht zu verwechseln mit dem Nockalm-Sänger), Gottfried Kienreich und Manfred Pignitter gründeten das Trio. Insbesondere Manfred Pignitter führt eine direkte Familientradition fort – er ist der Sohn von Fritz Pignitter, der als legendärer Posaunist der Kern Buam Geschichte schrieb.
Der Schneiderwirt als Heimatort
Der Name ist kein Zufall: Der Gasthof Schneiderwirt in Voitsberg (Steiermark) war über Jahrzehnte das Stammhaus und der Lebensmittelpunkt der Kern Buam.
Heute betreibt Gottfried Kienreich den Gasthof als lebendiges Kern-Buam-Museum.
Dort sind unzählige Auszeichnungen, Originalinstrumente, Noten und Trachten der Kern Buam ausgestellt.
Wie das Trio das musikalische Erbe fortführt
Originaler Sound: Das Trio interpretiert die großen Hits der Kern Buam (wie den Steirerland-Ländler oder die Posaunen-Polka) im traditionellen Satz mit Steirischer Harmonika, Klarinette, Posaune/Trompete und Gitarre.
Eigene Kompositionen im Kern-Stil: Neben den Klassikern schreiben die Musiker neue Stücke, die den schwungvollen, steirischen Klangcharakter der Kern Buam weiterleben lassen.
Kultur- & Traditionspflege: Mit regelmäßigen Konzerten, Fan-Reisen und Veranstaltungen am Schneiderwirt-Hof halten sie die Erinnerung an die Pionierarbeit der Kern Buam für alte und neue Fans lebendig.
Das Kern-Buam-Museum in Voitsberg (Steiermark) befindet sich direkt im traditionsreichen Gasthof Schneiderwirt – dem Ort, an dem die Bandgeschichte einst eng verwurzelt war und der bis heute das Herzstück der Kern-Buam-Tradition bildet.
Was gibt es im Museum zu sehen?
Das Museum bietet einen detaillierten Einblick in die über 60-jährige Bandgeschichte und die Entwicklung der steirischen Volksmusik:
Original-Instrumente: Ausgestellt sind die historischen Instrumente der Gründungsmitglieder und Musiker, darunter die berühmten Posaunen von Fritz Pignitter sowie originale Akkordeons und Klarinetten.
Auszeichnungen & Goldene Schallplatten: Zahlreiche Trophäen, Ehrungen und Goldene Schallplatten zeugen vom enormen Erfolg der Kern Buam im gesamten deutschsprachigen Raum.
Bühnen-Trachten: Die typischen steirischen Trachtenanzüge, in denen die Formation im Fernsehen und auf großen Tourneen auftrat.
Historische Dokumente & Noten: Handschriftliche Notenblätter, Songskizzen, unveröffentlichte Fotos, Plakate und Tourneepläne aus verschiedenen Jahrzehnten.
Audio- & Videostationen: Besucher können in historische Rundfunk- und Fernsehaufnahmen sowie seltene Tonaufnahmen hineinhören.
Der Schneiderwirt als Erlebnisoase
Der Besuch lässt sich direkt mit der steirischen Wirtshauskultur verbinden:
Museumsführungen: Häufig führt Gottfried Kienreich (Mitglied des Schneiderwirt Trios und Gastwirt) persönliche Besucher durch die Räumlichkeiten und erzählt Anekdoten aus erster Hand.
Musikalische Frühschoppen: Regelmäßig finden im Gasthof und im schattigen Gastgarten Konzerte des Schneiderwirt Trios sowie anderer Volksmusikgruppen statt.
Das Kern-Buam-Museum lässt sich ideal mit einem Ausflug in die Weststeiermark verbinden.
Standort & Anreise
Adresse: Gasthof Schneiderwirt, Gradenberg 3, 8580 Voitsberg, Steiermark (Österreich).
Mit dem Auto: Von Graz aus über die A2 (Südautobahn), Abfahrt Lieboch, weiter auf der B70 Richtung Voitsberg. Ab Voitsberg der Beschilderung Richtung Gradenberg/Schneiderwirt folgen.
Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der S-Bahn (S7) von Graz Hauptbahnhof bis Bahnhof Voitsberg. Von dort fahren regionale Buslinien oder Taxis direkt nach Gradenberg.
Öffnungszeiten & Besichtigung
Museumsbetrieb: Das Museum ist in der Regel an den Öffnungstagen des Gasthofs Schneiderwirt zugänglich (meist mittwochs bis sonntags, Ruhetage Montag & Dienstag).
Führungen: Für Einzelbesucher während der Gastronomie-Öffnungszeiten frei oder nach kurzer Rücksprache zugänglich. Für Gruppen werden nach Voranmeldung persönliche Führungen mit Wirt Gottfried Kienreich angeboten, oft kombiniert mit einer musikalischen Begrüßung.
Empfehlungen für den Besuch
Kombination mit Einkehr: Ein Museumsbesuch lässt sich bestens mit steirischer Hausmannskost im Gasthof verbinden.
Veranstaltungen: Vorab prüfen, ob ein Frühschoppen oder Live-Auftritt des Schneiderwirt Trios stattfindet – an diesen Tagen herrscht besonders stimmungsvolle Atmosphäre.
Ausflugsziele in der Nähe: Das Bundesgestüt Piber (Heimat der Lipizzaner) liegt nur wenige Kilometer entfernt und lässt sich perfekt am selben Tag besuchen.